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Kennzeichnungspflicht für KI-Bilder: Modrai-Gründer Stephan Schneider im Interview

zipporaschoen3
12. Okt.
6 Min. Lesezeit

Seit dem 2. August gilt Artikel 50 des EU AI Act. Für Marketing und Compliance hat das spürbare Folgen. Wer KI-generierte Bilder einsetzt, muss diese künftig transparent kennzeichnen. Besonders relevant wird die Kennzeichnungspflicht, wenn KI realistische Personen oder Szenen darstellt, etwa in Produktkampagnen, Social-Media-Visuals oder bei synthetischen Mitarbeiterfotos auf der Website.

Zusammen mit DSGVO und Persönlichkeitsrecht entsteht durch den EU AI Act ein klarer Handlungsrahmen für den Einsatz synthetischer Inhalte.

Soweit die Theorie. Spannender wird es bei der Frage, wie das im Arbeitsalltag ohne juristischen Dauerkopfschmerz funktioniert. Eine Antwort darauf gibt Modrai. Die Plattform ermöglicht es Unternehmen, KI Bilder auf Basis lizenzierter digitaler Zwillinge rechtssicher zu erstellen. Inklusive automatisierter Lizenzvereinbarungen, SynthID-Wasserzeichen und C2PA-Metadaten, wie sie der EU AI Act fordert. Im folgenden Interview spricht Modrai Gründer Stephan Schneider darüber, wie das in der Praxis funktioniert und worauf Unternehmen jetzt achten sollten.

Modrai-Gründer Stephan und Nora im schwarz-weiß Portrait. Das Bild wurde mit ihren digitalen Zwillingen erstellt, da zwischen den beiden viele Kilometer liegen.
Gründer Stephan und Nora. Zwischen den beiden liegen einige Kilometer. Daher haben Sie ihre digitalen Zwillinge in den Einsatz geschickt. Hätten Sie es ohne Kennzeichnung gemerkt?

Modrai ist ein noch junger Name im Markt. Kannst du uns einen kurzen Überblick geben, wer hinter Modrai steht, wie die Idee entstanden ist und welche Vision ihr verfolgt?

Stephan: Die ursprüngliche Idee kam mir Anfang 2025. Die Plattform Elevenlabs ermöglichte es jedem, eine digitale Version seiner eigenen Stimme zu erstellen, und ich dachte mir: „Das müsste es doch auch für das eigene Aussehen geben.“ Gleichzeitig wurden die Bildgenerierungsmodelle immer besser und man konnte mit Open-Source-Modellen schon die ersten sehr realistischen Replicas von einem selbst erstellen. Die Vorstellung damals war ein Marketplace, auf dem jede Person ihren eigenen digitalen Zwilling anlegen und dann an Unternehmen für die Bildgenerierung lizenzieren kann.

Die Idee blieb dann erstmal nur in meinem Hinterkopf, bis ich sie gemeinsam mit meiner nun Co-Gründerin Nora in einem Marketing-Projekt in der Uni wieder aufgegriffen habe. Dabei haben wir bemerkt, dass Marken die Schnelligkeit und Kosteneffizienz generativer KI nutzen wollen, aber rein synthetische KI-Avatare abgelehnt werden, da Authentizität eine wichtige Rolle spielt. Das hat uns bestärkt diese Idee weiterzuverfolgen.

In diesem Jahr kamen dann vermehrt Geschichten auf, die zeigten, wie intransparent und unkontrolliert KI-generierte Inhalte mit echten Models in der Modebranche eingesetzt wurden. Damit war für uns klar: Wir müssen einen transparenten und ethischen Weg schaffen, wie echte Menschen ihren digitalen Zwilling lizenzieren können, damit wir auch in Zukunft noch echte Menschen in der Werbung sehen werden.

Stell dir vor, du erklärst Modrai jemandem beim Kaffee. Wie funktioniert die Plattform in drei Sätzen, und was ist eigentlich ein „digitaler Zwilling"?

Stephan: Ein digitaler Zwilling ist ein durch KI erzeugtes Abbild einer realen Person, das mit der Bildgenerierung in verschiedene Szenen eingebettet werden kann. Auf der Modrai-Plattform legen die Models ihre eigenen Lizenzbedingungen und Regeln für die Nutzung ihres Bildes fest. Unternehmen können dann unter Verwendung dieser echten Gesichter lizenzierte Bilder und Videos erstellen.

Modrai bedient zwei Zielgruppen gleichzeitig. Was gewinnen Marken konkret in Sachen Zeit, Kosten und kreative Kontrolle, und worin liegt der Mehrwert für Models, Athleten und Creator?

Stephan: Für Unternehmen liegen die Hauptvorteile in der Geschwindigkeit, den Kosteneinsparungen und der kreativen Flexibilität. Die Koordination von herkömmlichen Fotoshootings ist sehr komplex, da viele unabhängige Akteure zusammenkommen: Fotografen, Models, Unternehmen, Agenturen, usw. Außerdem sind Reise- und Produktionsausgaben teilweise zu hoch, um bestimmten Content mit dem limitierten Marketingbudget zu realisieren.

Mit Modrai können Marketingteams kreative Konzepte innerhalb weniger Stunden testen und Kampagnen zu einem Bruchteil der üblichen Kosten skalieren, während die Bildqualität authentisch bleibt. Entscheidend ist, dass Marken vollständige Rechtssicherheit erhalten. Jedes Bild wird mit einer einwandfreien, automatisierten Lizenzvereinbarung und den erforderlichen Wasserzeichen geliefert, um die Transparenzpflichten des EU AI Acts zu erfüllen.

Für Models, Sportler und Influencer verwandelt unsere Plattform die eigene Marke in eine skalierbare Einnahmequelle ohne lange Reisen oder Drehtage. Ein Sportler kann sich auf das Training konzentrieren, während sein digitaler Zwilling globale Markenkampagnen umsetzt. Vor allem behalten sie die Kontrolle über die generierten Bilder und sind gleichzeitig vor unlizenzierten Deepfakes geschützt.

Außerdem bieten wir Unternehmen und Institutionen die Möglichkeit, digitale Zwillinge ihrer Mitarbeiter zu erstellen. Diese Organisationen benötigen regelmäßig neue Bilder für Websites und Social Media, doch für wiederholte Fotoshootings fehlen die internen Ressourcen. Mit Modrai können sie sichere digitale Zwillinge ihrer Mitarbeiter erstellen, um sofort authentische, konforme und markengerechte Inhalte zu generieren.

KI-Bild und echte Menschen, da schrillen bei vielen erst mal die Alarmglocken. Wie sorgt ihr dafür, dass jedes Bild mit ausdrücklicher Zustimmung des Models entsteht, dass alles über SynthID rückverfolgbar bleibt und dass ihr sauber zum EU AI Act passt?

Stephan: Das sind berechtigte Bedenken. Die unkontrollierte Verbreitung von Deepfakes ohne Einwilligung hat echte Ängste ausgelöst. Deshalb bilden Einwilligung und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften die Grundlage für die Modrai-Plattform. Niemand wird in unsere Datenbank aufgenommen, ohne dass eine Identitätsprüfung durchgeführt wurde und die Präferenzen festgelegt wurden, die klare Grenzen für die Nutzung festlegen. Zusätzlich werden die Lizenzen erst dann erstellt, wenn das Model für die Darstellung seine ausdrückliche Einwilligung gegeben hat.

Technisch gesehen nutzt jedes über Modrai generierte Asset ein dreistufiges Transparenzsystem, um den Verpflichtungen des EU AI Act nachzukommen, die seit dem 2. August gelten. Ein nicht wahrnehmbares Wasserzeichen mittels SynthID von Google DeepMind und digitale Herkunfts-Metadaten nach dem C2PA-Standard sind immer integriert. Darüber hinaus kann das Unternehmen eine AI-Act-konforme sichtbare Kennzeichnung hinzufügen. Gemeinsam mit der Lizenzvereinbarung bietet das die Grundlage dafür, dass die generierten Inhalte sofort rechtskonform veröffentlicht werden können.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt oder ein Sportler seine Einwilligung widerrufen möchte? Kann ein digitaler Zwilling tatsächlich „gelöscht“ werden?

Stephan: Models können ihren Modrai-Account und digitalen Zwilling jederzeit löschen und damit können keine neuen Bilder generiert und keine neuen Lizenzen mehr vergeben werden. Die gegebene Einwilligung für die Lizenzierung von generierten Bildern kann auch widerrufen werden, bis das Unternehmen den Kauf abgeschlossen hat und die Lizenz zustande kommt. Existierende Lizenzen haben eine limitierte Laufzeit und werden nach Ablauf nicht mehr verlängert. Das gibt Sicherheit für die Unternehmen, während die Models immer noch die Kontrolle behalten.

Ihr steckt gerade in der geschlossenen Pilotphase. Was lernt ihr aktuell aus der Zusammenarbeit mit euren ersten Partnern, worauf freut ihr euch am meisten, und wo seht ihr Modrai in drei Jahren?

Stephan: Das Feedback der Unternehmen hat uns dabei geholfen, unsere Plattformfeatures zu erweitern, den Bildgenerierungsprozess zu optimieren und zu bestätigen, dass wir ein echtes, dringendes Problem lösen. Die deutlichste Erkenntnis bei allen unseren Partnern ist, dass die Anwendungsfälle für lizenzierte digitale Zwillinge zwar sehr unterschiedlich sind, sie jedoch alle eine unverzichtbare Anforderung gemeinsam haben: kompromisslose Rechtssicherheit. Sowohl Marken als auch Models wollen die Gewissheit, dass Rechte, Compliance und Einwilligungen lückenlos geregelt sind.

Was mich derzeit am meisten begeistert, ist zu sehen, wie unsere ersten Pilotkunden die ersten konkreten Kampagnen mit den digitalen Zwillingen echter Talente planen. In drei Jahren sehe ich Modrai als den anerkannten Standard für die Lizenzierung digitaler Zwillinge für Marketing-Content. Wir wollen zeigen, dass es funktioniert, das visuelle Storytelling von Unternehmen mit KI voranzutreiben und dass echte Menschen immer noch davon profitieren, ohne ausgebeutet zu werden.

Viele unserer Leserinnen und Leser bewegen sich beruflich im Compliance- und Legal-Umfeld. Was möchtet ihr ihnen mitgeben, wenn ihre Unternehmen mit KI-Bildern arbeiten, und worauf sollten sie im Hinblick auf Rechtssicherheit, EU AI Act und Persönlichkeitsrechte besonders achten?

Stephan: Ich rate Unternehmen dringend dazu, „Schatten-KI“ im Marketing zu eliminieren, bevor sie zu einem ernsthaften Haftungsrisiko für das Unternehmen wird. Auch wenn Marketingteams die Geschwindigkeit generativer Tools schätzen, setzt die Erstellung von Bildern ohne nachweisbare Urheberschaft und klare Nutzungsrechte Unternehmen unmittelbaren Verstößen gegen die Persönlichkeitsrechte aus. Insbesondere wenn Fotos von Mitarbeitern oder externen Personen ohne ausdrückliche, vertragliche Zustimmung hochgeladen werden.

Gemäß Artikel 50 des EU AI Acts sind Transparenz und die Kennzeichnung synthetischer Medien unverzichtbare Anforderungen, wodurch automatisierte Wasserzeichen und die digitale Herkunftsverfolgung für jede Content-Produktionspipeline unerlässlich werden. Anstatt sich auf vage Nutzungsbedingungen anderer Plattformen zu verlassen, sollten Rechtsabteilungen sicherstellen, dass jedes kommerzielle KI-Asset auf direkten Lizenzen mit durchsetzbaren Einwilligungen basiert, die sauber protokolliert werden.

whistle.law meint dazu

KI generierte Bilder gehören längst zum Alltag moderner Markenkommunikation. Mit Artikel 50 des EU AI Act ist Transparenz nun verbindlich geworden. Das Gespräch mit

Stephan zeigt, dass sich regulatorische Anforderungen und kreative Freiheit nicht ausschließen müssen.

Wer mehr über Modrai erfahren möchte, findet im aktuellen Blogbeitrag der Gründer weitere Einblicke.

Und wenn Sie parallel das Hinweisgeberschutzgesetz einfach, digital und compliant umsetzen möchten, sind wir bei whistle.law gern für Sie da.


 
 

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